Willkommen auf meinem Blog!

Hallo liebe Besucher, mit diesem Blog möchte ich die öffentliche Wirkung meines Auslandsaufenthaltes in Chile vom 01. August 2007 bis zum 31. Juli 2008 etwas erhöhen. Ich mache statt des Zivildienst den aDiA (anderer Dienst im Ausland) in einem Projekt für Straßenkinder in Santiagos Stadtteil "La Granja". Weitere Infos und aktuelle News finden Sie auf der folgenden Seite, viel Spaß damit, ich hoffe ich kann die Interessierten etwas bereichern...

Sonntag, 25. November 2007

Tanzen im Kindesalter

In einem lateinamerikanischem Kinderprojekt muss man natürlich schon früh anfangen, tanzen zu lernen. Hier erfreuen sich Kevin, Ayline und Neigerli ihres rhythmischen Lebens.

Las fiestas patrias

So, dann aktualisieren wir mal wieder den Blog mit der letzten Rundmail. Viel Spass.


Liebe Unterstuetzer, Freunde und Bekannte,

nach einiger verflossener Zeit habe ich mal wieder etwas Zeit ueber meine Erlebnisse in Santiago zu berichten. Wie versprochen geht es erstmal um die Fiestas Patrias, die auch schon wieder zwei Monate her sind.
Irgendein Tag im Jahr musste fuer die ueberschaeumenden Patriotismusausbrueche der Chilenen geopfert werden, also waehlte man den 18. September aus, den Tag der Ausrufung des chilenischen Parlaments. Es ist sehr zweifelhaft, dass Chile genau seit diesem Tag unabhaengig ist, noch dass die gefeierten Personen das Land allein befreit haben, aber eigentlich geht es ja auch nur darum, stolz auf Chile zu sein und mal so richtig die Sau rauszulassen.
Dieses Jahr sollte es besonders exzessiv werden, da die beiden offiziellen Feiertage 18. und 19. September auf Dienstag und Mittwoch vielen, Montag dadurch automatisch als Brueckentag freigegeben wurde und man dadurch schon am Freitag davor mit feiern anfangen konnte. Der "Geburtstag Chiles" muss aber, aehnlich wie bei uns Weihnachten, mit den Arbeitskollegen und allen Bekanntenkreisen vorgefeiert werden und so war an dem Freitag vorher eine Fonda (so werden die Feste um "den Achtzehnten" genannt) von Maria Ayuda und am Donnerstag vorher in meinem Projekt, d.h. die Vorbereitungen fuer die Fiestas Patrias fingen schon eine Woche vorher an.
Mittwochabend und Donnerstagmorgen verwandelten wir unser Haus "Casa San José" also in eine rot-weiss-blaue Dekorationshoelle und organisierten alles, was zu einer chilenischen Kinderfonda gehoert:

unendlich viele Lutballons
Suessigkeiten
ausreichende Zuckerwassergetraenke
1 Empanada fuer jeden
Schminke
Musik (Cueca, Reggaeton)
1 Animateur
ein Programm mit verschiedenen Spielen und Wettkaempfen zwischen drei Teams (alianzas)

Alle Kinder aller Gruppen, insgesamt circa 50, wurden am Eingang in Empfang genommen, entweder der roten, weissen oder blauen alianza zugeordnet und verbrachten einen lustigen, spannenden Abend voller Gekreische, Enthusiasmus und Musik. Hier ein Video vom Abschlusstanzwettbewerb.
Man sieht die etwas älteren Kinder aus der Umgebung, die immer nach um sechs kommen, mit denen ich also nicht soviel zu tun habe. Danach läuft unsere Köchin, die herzallerliebste, fröhliche und manchmal etwas verrückte Tía Sara, durch das Bild... eigentlich lässt die sich nicht so gern fotographieren oder filmen.
Am naechsten Tag fand dann die Feier von Maria Ayuda auf dem Gelaende des Santuario statt. Man hatte im Freien eine Buehne und ein Buffet aufgebaut und ein Asado (Grillfest) organisiert. Die Mitarbeiter aller Projekte von Maria Ayuda waren eingeladen und hatten etwas zur Vorbereitung beigetragen. Mit den anderen Freiwilligen Johannes, Magdalena und Rafael aus Deutschland und Rosanna aus Mexico wohnten wir zunaechst der Messe bei. Es wurde viel ueber das schoene Land Chile gepredigt, alle Lieder nur im Cueca-Stil begleitet und die Uebersetztung des Wortes "PAtria" ins Deutsche erklaert: naemlich Vaterland und Heimat, wobei man wieder einmal merkt, dass die deutsche Sprache viel genauer ist als die spanische, denn Heimat kann man so nicht richtig uebersetzen. Ausserdem war es den Chilenen nicht peinlich, dass ein komplett verkleideter Hauso (=Gaucho) einen Cueca-Tanz mit/vor dem Bild der Jungfrau Maria tanzte. Das war ganz normal und zeigt nur die religioes-patriotistische Verbundenheit mt der Heiligen Jungfrau. Nach dem Gottesdienst und der gesungenen Nationalhymne begann die eigentliche Fonda, die sich im Grunde kaum von der Kinderfonda in meinem Projekt unterschied. Wenn es darum geht laut, ausgelassen und bunt zu feiern, Spiele zu spielen, Suessigkeiten zu verbrauchen und Spass zu haben, stehen chilenische Erwachsene ihren Kindern in nichts nach. Es wurde natuerlich ein grosses "Asado" gemacht und der Wein floss in Stroemen.
Es waere jedoch dem Beginn der Fiestas Patrias unwuerdig gewesen nach so einem Bisschen Wein um 17:00 schon aufzuhoeren, darum traf ich mich danach zur Fonda der Universidad de Santiago mit meiner Gastschwester Natalia. Auf dem ueberfuellten Campus der chemisch-pharmazeutischen Fakultaet konnte man eine richtig gute chilenische Studentenparty miterleben. Ueberall bruzelte Fleisch, das dem thueringer Rostgut eigentlich sehr aehnlich ist, diverse alkoholische Getraenke wurden mitgebracht und stilecht in Plastikbechern genossen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die sogenannte Chicha, ein sehr suesses, schmackhaftes Weingetraenk, von dem 80% im September verkauft wird und das man als chilenische Spezialitaet nur empfehlen kann. Dazu spielte eine Live-Band Ska und die Menge tanzte voller Inbrunst und Kreativitaet bis in die Nacht.
Nach einigen Gespraechen ueber das Beste deutsche Bier und den besten chilenischen Wein sowie viel Spass bei der Fiesta fuhr ich alleine zurueck nach Maipú, um noch an zwei Geburtstagesfeiern teilzunehmen, denn man ist es hier ja gewoehnt, erst um eins in der Nacht mit feiern anzufangen, warum sollte man dann an den Nationalfeiertagen frueher aufhoeren?
Die Geburtstage sind hier ja sowieso der Anlass sich mit dem ueblichen Freundeskreis zu treffen, Reggaeton zu tanzen, die Spendabilitaet des Gastgebers zu geniessen und eben zu feiern. Ich traf einige Freunde von Natalia und Sergio wieder, wodurch ich den zweiten Fondatag erst ziemlich speat beenden konnte. Der Partymarathon der Fiestas Patrias hatte damit aber erst begonnen.
Den Samstag verbrachte ich ganz ruhig mit meiner Familie, um diese nicht zu vernachlaessigen, denn die Fiestas Dieciocheras (Feiern des Achtzehnten) verbringt man viel mit seiner Familie.
Am Sonntag wollten wir zu einer etwas traditionelleren, ofiziellen Fonda in Santiago gehen, was sich als eine Art Weihnachtsmarkt auf chilenisch am Parque O'Higgins herausstellte. Da hier die Nationalfeiertage das zweitwichtigste Fest nach Weihnachten sind, passt der Vergleich mit einem thueringer Weihnachtsmarkt ganz gut. Ueberall gab es Staende mit chilenischen Backwaren ( z.B. churros), chicha, anticucho (Grillspiess) und weiteren Spezialitaeten, Saele mit Cueca, ueberteuerte Preise und als es dunkel wurde kam fuer mich dann doch ein bisschen die typische Weihnachtsmarktstimmung auf, denn im Winter wird es in der Nacht sehr schnell kalt. Und das im September - verkehrte Welt.
Die naechsten zwei Tage waren die Voluntarios Johannes, Magdalena, Rossana und ich bei der Familie von Rafael und seinem Gastbruder Nico eingeladen. Im Ort San José, im Cajón del Maipo, ausserhalb der Stadt, richtung Anden fand die riesige Familienfonda statt. Die Familie gehoert zur unteren Oberschicht, besonders auf das Essen wird viel Wert gelegt, deswegen folgt jetzt eine Beschreibung der ueblichen Gaenge:
Im Stehen trinkt man erstmal Dosenbier und iss zum Beispiel eingelegte Oliven. Dabei fangen die Maenner langsam an den Rost zu preparieren, es ist so ungefaehr halb eins. Daruafhin wird auf Tabletts Pisco Sour oder Mango Sour herumgereicht und dazu Kaese- oder Fleischempanada gegessen, DIE chilenischen Spezialitaeten. Als Naechstes, immer noch im Stehen, ein Sueppchen mit viel Gemuese und wenig Fleisch, dazu Fruechtebowle, wobei auf dem Rost schon die ersten Wuerste gut werden. Die isst man denn im Broetchen und trinkt Wein dazu. Das sogennante Churipan ist im Allgemeinen das Zeichen, dass der Hauptgang bald beginnt.
Es wird sich hingesetzt, Wein nachgeschenkt, sich Huhn, Rind oder Schwein in allen Variationen aufgetan und verschiedene Salate serviert. Das ist so gegen halb vier, da kann man dann auch viel essen, man hat ja schliesslich lange gewartet. Danach wird z.B. Rumcola gemixt und wer noch kann, verspeisst Ananasringe mit Sahne. Es ist erstaunlich, wie viel man an so einem Nachmittag zu sich nehmen kann, obwohl das natuerlich dann fuer den ganzen Tag reicht.
Nach diesem Geschlemme machten wir jedenfalls mit den Juengeren der Grossfamlie einen Verdauungsspaziergang durch San José, den ich noch von meiner ersten Chilereise wiedererkannte. Es war schon bewegend, wieder an den ganzen Orten zu sein, die wir auch damals mit der ganzen Klasse besucht hattten.
Um sechs fuhren wr dann mit Bus frueher als alle anderen zurueck, um eine Fonda von Nicos Freundeskreis nicht zu verpassen.
Wieder gab es zwei Bands, die spielten, man lernte viele Leute kennen, die ich noch oefter sehen kann, da sie alle aus La Florida kommen, dem Stadtteil, in dem jetzt mein neues Haus ist. Wir tanzten alle bis zum fruehen Morgen - Deutsche inmitten einer lateinamerikanisch tanzenden Menge... ich denke, wir haben uns alle ziemlich gut geschlagen.

Nun kam endlich der 18. September, eigentlicher Anlass der Feiertage und Hoehepunkt (auch fuer mich persoenlich) der Fiestas Patrias.
Nach einem sehr kurzen, spaeten Fruehstueck (man muss seinen Hunger ja fuer das Mittagsmahl aufheben) fuhren wir 50km nach Sueden, in den zerstreuten Ort Aculeo, der an einer Lagune in einem Talkessel der Cordillera de la Costa liegt. ein wunderbar blauer himmel, wie es ihn hier oft gibt, praegte die Stimmung des Tages. Zum ersten Mal war es richtig warm, als wir am See ankamen.
Am Ufer der Lagune machten wir nur einen kleinen Zwischenstopp um die Schoenheit des blauen Wassers von Nahem zu betrachten. Dann wurden wir in die absolute Oberschicht Chiles eingefuehrt, als wir zum Haus eines Freundes von Rafaels chilenischem Vater, Adrian, gebracht wurden. Dieser Dueño hat eine kubanische Frau, viele Beziehungen und ist Besitzter eines kompletten Hanges dieses Talkessels. Er hatte vor vielen Jahren, als die Preise noch billig waren, den Teil mit der schoensten Aussicht gekauft, nutzbar gemacht und verkauft davon grosse Grundstuecke duer die Sommer- und Wochenendhaeuser der Reichen. Oben in der Villa angekommen, konnte man den See ueberblicken und aus dem Talkessel hinausschauen, nach dem sich die ganze Breite des Valle Central erstreckt und an den schneebedeckten Bergriesen der Cordillera de los Andes endet.
Chile pur!
Natuerlich wurde wieder bis um fuenf geschlemmt und Spiele veranstaltet, wobei man sich mit den anderen Grundstuecksbesitzern traf.
Eine Cueca-Gruppe und Entertainer waren engagiert, das Schwimmbad geoeffnet, es gab Wein und Geld zu gewinnen, Pferdereiten wurden kostenlos angeboten, kurzum das ganze Amusement der Reichen und Erfolgreichen konnte genossen werden. Das war schon beeindruckend.
Abends, nach diesem ueberwaeltigendem Tag zurueck in Santiago, gab es selbstverstaendlich wieder eine Party mit dem jungen Volk, aber etwas entspannter als die letzten Tage. Ich unterhielt mich recht lange mit Rossana, der mexikanischen Freiwilligen, die, bevor sie bald zurueckkehrt, unbedingt noch nach Buenos Aires wollte. Da ich Benny schon die ganze Zeit besuchen wollte, beschlossen wir, spontan ein paar Tage in die argentinische Hauptstadt zu fliegen.
Der 19. September ist der Tag des Militaers. Eigentlich wollten wir zur dreistuendigen Militaerparade im Zentrum Santiagos gehen, aber wir waren ziemlich geschafft von den letzten Tagen und zogen es also vor, die Parade, so wie alle Chilenen, im Fernsehn zu verfolgen, noch einmal die Gastfreundschaft von Adrian und Mimi zu missbrauchen und im Stile der vergangenen Tage Mittag zu essen. Ein Haufen exquisiter Meeresfruechte und brasiliainisch zubereiteten Fisch assen wir beim Trommeln der Marschmusik und den Bildern von Panzerfaust und Luftabwehr.
Ich habe jetzt viel ueber diese fuer mich sehr beeindrucenden Tage berichtet. Es ist sehr interessant auch die reiche Seite Chiles zu entdecken, weil es ja auch da neue und nette Menschen gibt und es generell den Horizont erweitert. Was ich danach erlebt habe, z.B. der Trip nach Buenos Aires, muss ich nun wohl auf die naechste Rundmail verschieben.
Ansonsten glaubt bitte nicht, dass hier immer so viel gefeiert wir, diese Feiertage waren wirklich aussergewoehnlich. Ein ganzes Land isst, trinkt und tanzt!
Jedenfalls kann man in Chile, wenn man viel Geld und Beziehungen hat, unglaublich gut leben.
Wenn.

Kinder, mit denen ich arbeite

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Carlos (3), Nicole(4), Sebastian (3) - mit Lieblingsteddy Luchin